Wenn wir die Dinge nicht verändern, verändern sie uns. 

VERÄNDERUNG BRAUCHT AKTION

Ins Tun zu kommen ist für viele Menschen der schwierigste Teil von Veränderung. Der Wille zur Veränderung geht meistens nur bis zu dem Punkt, an dem Veränderung unbequem wird – und das ist meistens dann, wenn es um Aktion geht. 

Vielleicht kennst Du das ja sogar aus Deinem eigenen Leben. Du denkst über Dein Leben nach und weißt genau, etwas muss sich ändern. Also schließt Du einen Pakt mit Dir selbst: „Ab morgen laufen die Dinge anders. Morgen werde ich früh aufstehen, Sport machen, mit dem Rauchen aufhören, mein Projekt angehen, das Gespräch führen… Morgen wird mein besseres Selbst erwachen. Jetzt ist Schluss mit all dem sinnlosen Verhalten. Ab morgen verändere ich mein Leben!“

Und passiert am Morgen? Meistens nichts. Aus unerklärlichen Gründen sind die Pläne des Abends plötzlich doch nicht mehr so erstrebenswert. Die Bequemlichkeit übernimmt das Kommando und säuselt Dir zu:

Eigentlich ist mein Leben ja ganz okay, so wie es ist. So schlimm ist meine Arbeit ja nun auch nicht, es ist erträglich. So wichtig ist mir das Gespräch nun auch nicht. Meine Pläne können auch noch warten. Auf den einen Tag kommt es ja nun auch nicht mehr an. Ach, ich gönne mir jetzt das Stück Kuchen, die Zigarette, das Glas Bier, die Tafel Schokolade. Ich bin so müde, ich mach einfach mal den Fernseher an und entspanne mich. Heute muss ich mir keine Gedanken mehr über meine Ziele machen. Ich mach es einfach morgen.“

Dieser Stimme zuzuhören, fühlt sich für den Moment gut an, denn sie ist die perfekte Entschuldigung dafür, nicht zu handeln. Ihr Glauben zu schenken, ist wie Beruhigungsmittel zu spritzen und unbegrenzte Motivation und Handlungsenergie zu erwarten.

Natürlich ändert sich nichts, wenn wir nichts verändern. Im Gegenteil: Wenn wir die Dinge nicht verändern, verändern sie uns – und zwar selten zum Positiven.

DER SCHUTZMECHANISMUS DER BEQUEMLICHKEIT

Unsere Bequemlichkeit möchte uns auch vor möglichen Gefahren schützen: „Mach Dich nicht lächerlich. Sag lieber nichts. Fall nicht auf. Die Beförderung bekommst Du doch sowieso nicht. Lass es, sonst wirst Du sowieso nur enttäuscht. Das schaffst Du sowieso nicht. Warum solltest Du das überhaupt versuchen?“

Deshalb gehen die meisten Menschen in ihrem Leben am liebsten den Weg des geringsten Widerstandes. Es ist der vermeintlich einfachere Weg. Langfristig entstehen so jedoch viel mehr Probleme in unserem Leben als die kurzfristige Lösung gebracht hat. Einer der wichtigsten Leitgedanken zur Überwindung von Bequemlichkeit lautet: „Wenn Du das immer nur das Einfache tust, wird Dein Leben schwer. Wenn Du bereit bist, auch das Schwere zu tun, wird Dein Leben leicht.“ 

BEQUEMLICHKEIT ZERSTÖRT DEIN SELBSTWERTGEFÜHL

„Wollen wollen viele, tun tun nur wenige.“

Unsere Bequemlichkeit hält uns nicht nur auf Abstand zu unseren Zielen. Sie untergräbt auch unser Selbstwertgefühl. Wenn wir unserer Bequemlichkeit nachgeben, löst sie einen Selbstzerstörungsmechanismus aus, der uns immer weiter herunterzieht, bis wir unsere Selbstachtung verlieren und uns für eine Lüge halten.

Deine Bequemlichkeit löst in Deinem Unterbewusstsein diesen fatalen Prozess aus:

  • Wenn Du nicht handelst, hast Du insgeheim ein schlechtes Gewissen. 
  • Du machst Dir Vorwürfe und fühlst Dich schuldig.
  • Deine Selbstachtung und Dein Selbstbewusstsein sinken.
  • Du hältst Dich für einen Verlierer. 
  • Du bist wenig motiviert, Veränderung anzugehen.
  • Deine Ergebnisse nehmen ab.
  • Du kommst zum Stillstand.

Wenn Du Deine Bequemlichkeit und Deine schlechten Angewohnheiten akzeptierst und nicht tust, was Du wirklich willst, stärkst Du diesen Selbstzerstörungsmechanismus und programmierst Dein Unterbewusstsein darauf, Dich für eine Lüge zu halten. Diese Sätze werden zu Deiner Wahrheit: „Ich bist so ein Versager. Ich werde nie etwas erreichen. Ich bin einfach eine Lüge.“

Wenn Du allerdings Deine Bequemlichkeit überwindest und Deine Ziele anpackst, erreichst Du ein ganz anderes Ergebnis, das sich selbst verstärkt:

  • Du beginnst und vollendest, was Du Dir vornimmst.
  • Du fühlst Dich gut.
  • Dein Selbstwertgefühl und Deine Selbstsicherheit steigen.
  • Deine Kompetenzgefühl steigt.
  • Deine Leistung erhöht sich.
  • Du traust Dir mehr zu. 
  • Du erzielst immer bessere Ergebnisse. 
  • Du hast immer mehr Erfolg, auch in anderen Lebensbereichen.  

DIE MOTIVATIONSLÜGE

Um den inneren Schweinhund zu überwinden, sind Motivationsseminare hoch im Trend. Viele erwarten, dass sie dort eine Motivationsspritze bekommen, nach Hause gehen und endlich all das anpacken, was sie schon so lange machen wollen.

Die ernüchternde Wahrheit ist, dass die Motivation zwar kurz lodert. Doch schnell wird sie von der Bequemlichkeit verdrängt. „Eigentlich sollte ich mal…“ bestimmt wieder das Leben. Doch „sollte“ ist nur ein anderes Wort für „nicht tun“.

Motivation ist nichts, was wir uns aneignen können. Es gibt keinen Guru, der uns Motivation einpflanzen könnte. Du kannst auch nicht einfach auf der Couch sitzen und warten, bis Motivation vorbeikommt.

Motivation kommt einzig und allein aus der Einsicht, einer Entscheidung und puren, nüchternen Handeln – auch dann, wenn wir keine dazu Lust haben. 

ÜBERWINDE DIE MOTIVATIONS-AKTIONS-LÜCKE

Wer sagt „ich sollte…“ und nicht unmittelbar handelt, wird seine Ziele nicht erreichen können. Der Grund ist die Motivations-Aktions-Lücke. Sie liegt zwischen dem Wunsch zu handeln und der eigentlichen Handlung. Die Praxis zeigt: Wenn zwischen dem Moment, in dem Du Dir etwas vornimmst, und dem Moment, in dem Du handelst mehr als 5 Sekunden vergehen, wirst Du es nicht tun.

Du kannst Dir abends also hundert Mal vornehmen, morgen Dein Leben zu verändern. Die Nacht ist zu lang, um morgens noch die Handlungsenergie zu haben, das gewünschte Ziel in Angriff zu nehmen. Wie also kannst Du die Motivations-Aktions-Lücke schließen? Nutze dafür einfach eine unmittelbare Motivationsstrategie.

Wenn Du das nächste Mal denkst, Du solltest etwas tun, dann zähle von 5 bis 0 rückwärts und tu es sofort. Wenn Du morgens aufstehen willst, wenn der Wecker klingelt, zähle von 5 rückwärts bis 0 und dann steh auf, anstatt auf Snooze zu drücken. Wenn Du das nächste Mal denkst, Du solltest jetzt an diesem Projekt arbeiten, dann zähl von 5 bis 0 rückwärts und fang sofort an. Wenn Du das nächste Mal denkst, Du solltest mit dem Laufen beginnen, zähle rückwärts von 5 bis 0 und zieh Dir Deine Laufschuhe an.

Um Dich noch stärker zu motivieren, kannst Du zusätzlich einen auslösenden Anker verwenden, zum Beispiel einen Auslöser-Satz, um Dich auf „Beginne Jetzt“ zu programmieren. Für mich lautet dieser Satz: „Hilft ja nix!“ Wenn ich etwas angehen will, sage ich mir im Stillen oder sogar laut: „Hilft ja nix!“ und lege unmittelbar los. Je öfter Du diesen oder einen anderen Auslöser-Satz verwendest, desto stärker programmierst Du Dein Unterbewusstsein auf Aktion.

Das ist die Programmierung, die Dein Gehirn braucht um von Autopilot auf Selbststeuerung zu gehen. Wenn Du so beginnst, Deine Bequemlichkeit systematisch zu überwinden, gehörst Du zu einer kleinen Minderheit von Menschen: Die Minderheit, die ihr Leben selbst bestimmt, statt sich vom Leben bestimmen zu lassen. 

Des weiteren sind die nächsten 5 Strategien extrem hilfreich, um aus der Bequemlichkeitsspirale zu entkommen.

WACHSTUMSSTRATEGIEN GEGEN BEQUEMLICHKEIT UND PROKRASTINATION

Strategie #1: Entscheiden, nicht aufschieben

Etwas zu tun oder zu lassen, ist immer eine Entscheidung. Zur Prokrastination wird Deine Entscheidung erst dann, wenn Du Dich unbewusst dafür verurteilst, dass Du nicht aktiv wirst. Erst in diesem Moment wird die Entscheidung, etwas nicht zu tun, selbstzerstörerisch. Es ist völlig legitim, dass Du Dir bewusst erlaubst, etwas gerade jetzt nicht zu tun. Das nächste Mal, wenn Du Dich entscheidest, etwas nicht zu tun, sage Dir bewusst: „Ich entscheide mich jetzt dafür, es nicht zu tun.“ Und dann tue es nicht, und mach Dir auch keine Vorwürfe, da Du ja bewusst handelst. 

Strategie #2: Warum willst Du das tun?

Was ist Dein Warum hinter den Aufgaben, die Du Dir vorgenommen hast? Dich an Dein Warum zu erinnern, kann wahre Wunder bewirken. Hör auf, Dir einzureden, dass Du etwas musst. Du musst gar nichts. Du hast Dich einmal für etwas entschieden und nun gilt es, diese Handlung als logische Konsequenz auszuführen. Ersetze in diesem Zusammenhang auch das Wort „muss“ mit „darf“ oder „werde“. Sag Dir wortwörtlich: „Ich darf (werde) jetzt abwaschen. Ich darf (werde) jetzt meine Steuererklärung machen. Ich darf (werde) dieses Projekt jetzt starten.“ Nur allein durch die neue Wortwahl veränderst Du Dein Gefühl in Bezug auf die Aufgabe. 

Strategie #3: Nur 5 Minuten 

Arbeite in 5 Minuten Abschnitten. Frage Dich nach 5 Minuten: „Will ich weitere 5 Minuten an diesem Projekt arbeiten?“Dann entscheide Dich nach 5 Minuten wieder und führe dies fort. Wenn Du nicht weiter an dem Projekt arbeiten willst, tu etwas anders, bis Du wieder den Impuls hast, das Projekt zu starten, ohne Dich zu verurteilen. Stell Deine Uhr immer für 5 Minuten. Länger darfst Du nicht an der Aufgabe arbeiten. 

Strategie #4: Tricks Dich nicht länger selbst aus

Erkenne Deine Übersprunghandlungen. Frag Dich: „Bin ich gerade mit den richtigen Dingen beschäftigt? Also mit dem, was mich im Leben wirklich weiterbringt?“Falls die Antwort darauf nein ist, ändere den Ort, an dem Du handelst, so dass Du nicht mehr auf Deine Ausweichmanöver reagieren kannst.

Strategie #5: Es könnte noch schlimmer sein

Such Dir eine Aufgabe, die Du überhaupt nicht leiden kannst: Bügeln, Knöpfe annähen, abwaschen, staubsaugen, Steuererklärung machen. Dann beginne mit dieser Aufgabe. Erledige nur einen Teil davon. Gehe dann zurück zu Deinem Projekt. Wechsele solange zwischen den Aufgaben, bis Du Deine Hauptaufgabe erledigt hast.


*Dieser Artikel ist ein Auszug aus meinem Buch „PRAKISCH GLÜCKLICH“, das im Frühjahr 2020 im dtv erscheint. Wenn Du schon vorher Wissen aus dem Buch tanken willst, besuche meine Workshops, Events, lass Dich coachen oder komm mit mir auf Reisen!