„Die Vergänglichkeit adelt den Augenblick.“ Franz Friedrich Kovacs

EINE UNUMSTÖSSLICHE WAHRHEIT

Obwohl wir uns nicht kennen, weiß ich etwas über Dich, dass Du möglicherweise nicht hören willst: Du wirst sterben. 

Das ist ein erbaulicher Einstieg, nicht wahr? 

Der Gedanke an Deinen eigenen Tod mag Dich beängstigen – und doch beschreibt er eine unumstößliche Wahrheit. Du, ich und jeder Mensch auf dieser Welt werden einmal sterben. 

Der Zeitpunkt unseres Todes ist völlig ungewiss. Es könnte morgen sein – oder in 5, 10 oder 30 Jahren. Worüber Du Dir allerdings absolut sicher sein kannst: Deine Lebenszeit auf dieser Welt ist sehr kurz und wird garantiert enden. 

Insgeheim wissen wir natürlich, dass wir irgendwann „den Löffel abgeben“. Doch diesen Gedanken verdrängen wir lieber und wählen stattdessen die Illusion, ewig zu leben. Das fühlt sich einfach besser an, als sich damit auseinander zu setzen, dass unsere Lebenszeit befristet ist. 

DIE LÜGE DES EWIGEN LEBENS

Durch diese Verdrängungstaktik entsteht ein großes Problem für unser Leben. Wir machen uns nicht bewusst, dass wir nur heute – und nicht morgen – haben, um unser Leben so zu gestalten, wie wir es uns vorstellen. Stattdessenreden uns ein, wir hätten ja noch morgen, um uns und unser Leben zu verändern. Dabei wissen wir gar nicht, ob wir morgen noch hier sind. Wir schlussfolgern lieber: „Ich war gestern hier. Ich bin heute hier. Also werde ich auch morgen hier sein.“Das ist die größte Falle, in die wir tappen können.

SETZ DICH MIT DEINEM ENDE AUSEINANDER

Dich mit Deinem Ende auseinanderzusetzen, kann Dein Leben von Grund auf verändern. Wenn Du Dir bewusst machst, dass Du nicht ewig lebst, wirst Du nichts mehr tolerieren, was Dich unglücklich macht. Du wirst Dein Leben in die Hand nehmen. Du wirst Deinen Weg gehen. Du wirst Dich von dem verabschieden, was Dir nicht mehr dient. 

Diese Erfahrung hat auch einer meiner Klienten gemacht. Er war einer der herausforderndsten Coaching-Klienten, den ich bislang hatte. Er wollte mir, genau wie jedem Coach zuvor, ständig beweisen, dass er ein hoffnungsloser Fall ist. Für ihn gab es immer zahlreiche Gründe, warum er ein miserables Leben führt, wer daran schuld ist und warum er nichts verändern kann: Die Eltern, die Kindheit, die Kollegen, die Chefs, die Nachbarn. Er hatte die perfekte Strategie, sich nicht verändern zu müssen. Leiden zu müssen war zu seinem Selbstverständnis geworden.

Erst als er die Übung „Memento Mori“ machte, die ich Dir am Ende dieses Kapitels vorstelle, veränderte sich sein Leben schlagartig. 

Als ich ihn nach einer Weile wiedertraf, erkannte ich ihn kaum wieder. Er hatte eine verantwortungsvolle Rolle bei seiner Arbeit übernommen, Menschen konfrontiert, die ihm jahrelang auf der Nase herumtanzten und tat endlich das, worauf er wirklich Lust hatte. „Was ist denn mit Dir passiert?“ fragte ich ihn. 

„Ich bin mir klar darüber geworden, dass mein Leben bald endet und ich den Rest meines Lebens nicht mehr so leben will, wie bisher.“ erklärte er mir. 

WAS STERBENDE AM MEISTEN BEDAUERN

Bronnie Ware, eine australische Paliativpflegerin, beschreibt in ihrem Buch „The Top Five Regrets of Dying“ die fünf Dinge, die Sterbende am Ende ihres Lebens am meisten bedauern. Über viele Jahre hat sie Menschen auf ihrem Sterbebett begleitet und sie gefragt, was sie in Rückschau auf ihr Leben bereuen. Diese fünf Antworten kamen am häufigsten vor: 

1. Ich wünschte, ich hätte den Mut gehabt, mein eigenes Leben zu leben und nicht das, was andere von mir erwartet haben. 

Wenn Menschen erkennen, dass ihr Leben fast vorbei ist, wird ihnen klar, wie viele ihrer Träume sie nie verfolgt haben und dass es einzig und allein ihre Entscheidungen waren, die sie von ihren Träumen abgehalten haben – und nicht ihre Vergangenheit oder die Umstände, in denen sie leben. Statt das zu tun, was sie wollten, haben sie das getan, was von ihnen erwartet wurde.

2. Ich wünschte, ich hätte nicht so viel und hart gearbeitet.

Sehr viele Menschen erkennen erst an ihrem Lebensende, dass sie ihr Leben in einem Hamsterrad verbracht haben. Ihre Arbeit war ihnen so wichtig, dass sie ihre Kinder, ihren Partner und ihr Lebensglück der Karriere untergeordnet haben. Erst am Ende des Lebens verstehen sie, dass sie dadurch die wahren Freuden des Lebens verpasst haben. Zu spät merken sie, dass materielle Güter, Besitztümer und das Aufschieben von Lebensfreude auf das Rentenalter sie am Ende nicht glücklich gemacht haben. Hätten sie öfter innegehalten und ihr Leben reflektiert, so hätten sie mehr Glück, Frieden und Lebensfreude erfahren und realisiert, dass sie mit Scheuklappen durch das Leben gelaufen sind. Sie waren verschlossen für einfaches Glück und Chancen, die sie ihren Träumen nähergebracht hätten. 

3. Ich wünschte, ich hätte den Mut gehabt, meine Gefühle auszudrücken.

Viele Menschen trauen sich nicht, sie selbst zu sein. Sie halten sich zurück, statt zu sagen und zu zeigen, was sie denken und fühlen. Sie haben Angst, dadurch andere Menschen zu verletzen oder zu enttäuschen und ziehen es vor, den lieben Frieden wahren. Auf Dauer werden viele dadurch krank, denn unterbewusst spüren sie, dass sie nicht der Mensch sind, der sie vorgeben zu sein und auch nicht der, der sie sein könnten. Sie setzen sich, ihre Überzeugungen, ihre Träume und ihre Gesundheit aufs Spiel, nur um nicht anzuecken. Ihnen ist nicht klar, dass sie für die Gefühle und Reaktionen anderer nicht verantwortlich sind, dass Menschen meist weniger negativ reagieren, als sie annehmen und dass sie die Menschen, die sie für ihr wahres Ich verurteilen würden, ohnehin nicht in ihrem Leben brauchen. 

4. Ich wünschte mir, ich hätte den Kontakt zu meinen Freunden aufrechterhalten. 

Jeder kranke Mensch, der stirbt vermisst seine Freunde, denn in den letzten Monaten, Wochen und Tagen des Lebens geht es nur noch um Liebe und Beziehungen. Materielle Güter, Errungenschaften und Status verlieren komplett an Bedeutung. Doch viel zu spät wird Sterbenden klar, dass sie die wertvollsten Menschen in ihrem Leben über die Zeit aus den Augen verloren haben und welch ein gravierender Verlust das wirklich ist. Sie waren so eingespannt von den Verpflichtungen, dem Stress und den Plänen des Alltags, dass der Kontakt zu ihren Liebsten immer seltener wurde. Statt sich um ihre Freundschaften zu kümmern und sie zu pflegen, war es scheinbar normal, sein Leben zu leben. Erst am Ende des Lebens wird deutlich, wie schwer dieser Verlust wirklich wiegt. 

5. Ich wünschte, ich hätte mich selbst glücklicher gemacht.

Die meisten Menschen erkennen erst, wenn ihr Leben fast vorbei ist, das glücklich sein eine Entscheidung ist. Die Angst vor Veränderung, ihre eingefahrenen Muster und Glaubenssätze, ihre Anpassung an gesellschaftliche Normen und die Meinung anderer haben sie davon abgehalten, sich für ihr persönliches Glück zu entscheiden. Stattdessen haben sie sich und anderen eingeredet, dass sie zufrieden mit ihrem Leben sind, obwohl sie tief im Inneren wussten, dass das nicht wahr ist. 

Was wirst Du Dir wünschen, wenn es für Dich an der Zeit ist, zu gehen? Wir der Film Deines Lebens, der zu Deinen letzten Gedanken gehören wird, es wert sein, ihn nochmal zusehen?

WAS ZÄHLT WIRKLICH IN DEINEM LEBEN?

Ich möchte Dich einladen, genau in diesem Augenblick innezuhalten, und über diese Frage nachzudenken: 

„Im Angesicht des Todes, was zählt wirklich in Deinem Leben?“

Solange Du das nie hinterfragst und Dich nicht auf die Suche nach Deinen ganz persönlichen Antworten begibst, wirst auch Du möglicherweise am Ende Deines Lebens denken: „Hätte ich doch bloß mein Leben anders gelebt. Hätte ich doch bloß mehr an mich geglaubt. Hätte ich doch bloß früher gelernt, meine Ängste zu überwinden, meine Träume zu verfolgen und glücklich zu sein. Hätte ich doch bloß gesagt und getan, was ich wollte und nicht das, was andere von mir erwartet haben. Hätte ich doch bloß meine Freundschaften gepflegt und meine Beziehungen genährt. Hätte ich doch bloß…“

Dann ist es zu spät. Die einzige Zeit, in der Du Dein Leben gestalten kannst, ist jetzt. Worauf wartest Du?

WACHSTUMSSTRATEGIE „MEMENTO MORI: BEDENKE DEINE STERBLICHKEIT“

Nimm Dir jetzt 30 Minuten Zeit für eine Übung, die das Potential hat, Dein Leben zu verändern: Memento Mori oder „Bedenke Deine eigene Sterblichkeit.“ 

Die Übung hilft Dir, aus Deinem täglichen Trott aufzuwachen und Dich auf das zu besinnen, was wirklich in Deinem Leben zählt. 

  • Nimm ein Blatt Papier und einen schwarzen Stift. 
  • Unterteile das Blatt waagerecht in 52 Spalten und senkrecht in 80 Zeilen. Die Spalten repräsentieren die 52 Wochen des Jahres und die Zeilen jeweils ein Jahr. 
  • Schreibe oben links Dein Geburtsdatum und unten rechts das gleiche Datum 80 Jahre später auf das Blatt. Wir gehen davon aus, dass Du im Durchschnitt für eine Lebenszeit von 80 Jahren auf dieser Welt bist. 
  • Nun male so viele Zellen schwarz aus, wie Du bereits gelebt hast. Wenn Du zum Beispiel 35 Jahre alt bist, malst Du 35 Zeilen komplett schwarz aus. Für das aktuelle Jahr malst Du die Zeile bis zur aktuellen Kalenderwoche aus. Das ist die Zeit, die Du bereits auf dieser Erde bist. 
  • Betrachte das Blatt. Lass das Gefühl auf Dich wirken. Hör in Dich hinein. Was macht es mit Dir, wenn Du Dir wortwörtlich vor Augen führst, wieviel Deiner Lebenszeit bereits vergangen ist? Hast Du Dein Leben so gelebt, wie Du es Dir vorstellst? Ist es Zeit, etwas zu verändern?
  • Für Fortgeschrittene: Hänge das Blatt gut sichtbar in Deinem Zuhause auf. Male jede Woche ein weiteres Kästchen schwarz aus. Während Du das tust, frag Dich offen und ehrlich: „Bin ich wirklich glücklich? Habe ich diese Woche meine Zeit genutzt oder habe ich sie verschwendet? Wie und womit habe ich meine Zeit verschwendet? Wo könnte ich stehen, wenn ich das nicht getan hätte? Was kann ich nächste Woche anders machen, um die Woche voll auszukosten, da mein Leben jeden Tag enden könnte?“

Memento Mori: Bedenke Deine eigene Sterblichkeit



*Dieser Artikel ist ein Auszug aus meinem Buch, das im Frühjahr 2020 im dtv erscheint. Wenn Du schon vorher Wissen aus dem Buch tanken willst, besuche meine WorkshopsEvents, lass Dich coachen oder komm mit mir auf Reisen